Sonntags auf der LuWu

Wenn Inszenierungsroutine auf Selbstorganisation trifft.

von | veröffentlicht am 31.05 2021

Regelmäßig kommen bekannte Politiker*innen zum Kiezdöner und lassen gerne Unterstützungszusagen da. Gekommen ist danach meist wenig bis nichts. Nun nahmen die Aktivist*innen der Soligruppe um den Betreiber des Kiezdöners die Politiker*innen mal beim Wort.

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Aktion zum Tag der Befreiung

von | veröffentlicht am 08.05 2020

Der 8. Mai 2020, der Tag an dem vor 75 Jahren die Alliierten Deutschland zur Kapitulation zwangen und damit den 2. Weltkrieg beendeten, ist in Berlin ein offizieller Feiertag. Und das sollte er eigentlich überall sein. Wohl setzt das jedoch mindestens ein Bewusstsein um die Geschichte, die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus, die Unterdrückung und das Töten, und die Millionen Menschen, welche in dieser Zeit getötet wurden, voraus.
Bisweilen steht in Lettin bei Halle, interessanterweise auf dem Friedensplatz, ein Denkmal zur Erinnerung an die deutschen Gefallenen während des ersten Weltkriegs. Dieses ist beschriftet mit einem Vers aus der Feder Heinrich Lersch's: "Deutschland muss leben - und wenn wir sterben müssen". Es drückt ganz und gar das Gegenteil von Bewusstsein und kritischer Auseinandersetzung mit dem damaligen Großmachtstreben und der Gewaltherrschaft Deutschlands aus. Passend zum heutigen Tag der Befreiung wurde dieses Denkmal umgestaltet - ein Schritt in die richtige Richtung. Bravo Lettin!

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Hasi bleibt woanders

von | veröffentlicht am 16.12 2018

Am Freitag kam die für die meisten doch sehr überraschende Nachricht, dass die Hasi ihr namensgebendes Domizil in der Hafenstraße verlassen hat - spektakulär unspektakulär. Während die Zukunft des Geländes der ehemaligen Gasanstalt auf der Salineinsel damit weiter ungewiss ist, scheint die Hasi selbst schon eine neue Bleibe inklusive Nutzungsvertrag gefunden zu haben: die ehemalige Stadtgärtnerei am Galgenberg, ein bislang schlummernder Schatz zwischen Zoo und Froher Zukunft - ein vielleicht ganz passender Ort für Hasi.

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Polizeischutz für leere Häuser

von | veröffentlicht am 20.11 2018

"Nehmt ihr uns 1 Haus, nehmen wir uns 2" steht auf dem Transparent, das an einem leerstehenden Gebäude am Steintor befestigt wurde. Bekannt ist die Vorgeschichte: Die Hafenstraße 7 stand jahrzehntelang leer. Niemand interessierte sich für das Gebäude auf der Salineinsel. Dann wurde das Haus besetzt. Die HWG, damals noch stolze Besitzerin unzähliger leerstehender Häuser in Halle, schloss mit den Besetzer*innen eine Nutzungsvereinbarung ab. Über zwei Jahre hinweg wurde das Haus nutzbar gemacht und es entstand Raum für Kultur, Politik, Sport, Musik, Elterncafé und vieles mehr. Dann kündigte die HWG die Vereinbarung und setzte gerichtlich einen Räumungstitel gegen das Projekt durch. Seit gestern darf ihr die Polizei offiziell dabei helfen, die Hafenstraße 7 in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuverwandeln.

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Unfaire Behandlung

von | veröffentlicht am 03.04 2018

Vor einem Jahr noch hatte das "Unternehmen aus dem Herzen Mitteldeutschlands"¹ mit einem Bußgeldkatalog von sich reden gemacht. Wer nicht pünktlich zur Arbeit erscheint, hieß es darin, zahlt 5 Euro in die "Mannschaftskasse". "Wer sich nicht in die Pause meldet wenn es sehr ruhig ist oder eine Rauchen geht, wird mit einem Bußgeld von 3 Euro bestraft."² Fahrzeugschlüssel vergessen abzugeben oder Dienstkleidung nicht vollständig zurückgegeben: 5,-€. Checkliste nicht ausgefüllt: Jetzt für nur 2,–€. Uno-Geschäftsführer Herr Kochmann hielt Regeln für selbstverständlich. Ohnehin sollte das Geld aus der Strafkasse teamfördernden Zwecken dienen. Was haben die denn immer? Verstoß gegen das Arbeitsrecht? Und jetzt auch noch das: Sexismus?!? Herr K. versteht die Welt nicht mehr, er "fühlt sich unfair behandelt"³. Die Bildzeitung, Sprachrohr kleiner, mittlerer und großer Männer, lässt Kochmann wüten: "Eine Heidi Klum darf ja auch halbnackt überall hängen. Aber uns als kleinem Mittelständler (sic) wird das Leben schwer gemacht"⁴. Dabei hatte niemand dem kleinen Mittelständler verboten halbnackt überall zu hängen. Lediglich das Unternehmen WallDecaux, das Außenwerbungen in Leipzig betreibt, hatte sich dagegen entschieden, Plakate auszuhängen, die selbst vom Werberat als sexistische eingestuft würden.⁵ Die übrigen Plakate wurden offenbar in Halle verteilt. Aber auch hier wird sich Kochmann unfair behandelt fühlen.

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Abstrakte Poesie

von | veröffentlicht am 21.02 2018

Stehen in der avantgardistischen Poesie Wörter für sich selbst, losgelöst von ihrer Bedeutung, so kommt darin ein wirklicher Sinnverlust zum Ausdruck: Die Wörter treffen die Sache nicht mehr. Dafür tritt die Form in den Vordergrund. Die Buchstaben sind rätselhaft weil sie auf nichts mehr verweisen als auf sich selbst und weil sie auf nichts mehr verweisen als auf sich selbst sind sie rätselhaft. Konkret hieß diese Kunst. Aber auch die Abstrakte gibt Rätsel auf: Wie zur Hölle kommt dieses Graffiti an diese Wand? Ganz unten hat sich dann eine Wahrheit eingeschlichen: Wer findet's?

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