Los jetzt hier
Alle zusammen gegen den Faschismus
Noch sechs Wochen bis zur Landtagswahl. Noch sechs Wochen bis zur möglicherweise ersten faschistischen Regierung in Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg. Was Du jetzt noch tun kannst, um das Schlimmste zu verhindern.
Auch wenn uns Danger Dan gerade in bester Absicht anderes einzureden versucht, haben wohl viele Leser*innen dieses Blogs beim Gedanken an den 6. September vor allem eins: Angst. Und das auch vollkommen zu Recht. Es gibt die realistische Möglichkeit, dass die AfD im Parlament eine absolute Mehrheit erreicht und nicht mal mehr auf einen Koalitionspartner angewiesen ist. Ja, vieles aus dem irrsinnigen Programm der faschistischen Partei ist auf Landesebene nicht umsetzbar. Dennoch wäre ein solcher Wahlausgang eine echte Katastrophe, vor allem natürlich für queere, geflüchtete und nicht weiße Menschen.
Noch sind sechs Wochen Zeit, um wenigstens das Schlimmste zu verhindern und der AfD ein paar Prozentpunkte zu klauen. Falls Du Dich fragst, was Du jetzt dafür tun kannst, findest Du hier eine ganze (unvollständige) Reihe an niedrigschwelligen Möglichkeiten:
1 Million Flyer für 1 Million Haushalte
Die landesweite Kampagne Revision26 hat sich zum Ziel gesetzt, insbesondere potenzielle AfD-Wähler*innen anzusprechen. Sie haben das ambitionierte Ziel, mit einer Million Aufklärungsflyern eine Million Haushalte zu erreichen. Die Flyer im AfD-ähnlichen Design dürften sicher die Aufmerksamkeit vieler Wähler*innen wecken und im besten Fall zum Nach- und Umdenken anregen. Zehntausende Flyer sind bereits gedruckt und verteilt, weitere zehntausende Flyer sind noch in den Kartons. Ob beim Spaziergang mit dem Kinderwagen, beim Wanderausflug in den Harz oder zur Abendrunde: Decke Dich mit Flyern ein und bring sie dorthin, wo sie hingehören: In die Briefkästen! Schreib die Kampagne an oder den*die Genoss*in deines Vertrauens: Die nächste Flyerkiste ist nicht weit von Dir entfernt und wartet nur darauf, verteilt zu werden.
Linke Leuchttürme aufbauen
Du erinnerst Dich sicher an die blaue Landkarte, die im Nachgang der Bundestagswahl durch die Medien geisterte. Auch bei der Landtagswahl ist es sehr wahrscheinlich, dass nahezu alle 41 Direktmandate an die AfD gehen. Ob die AfD am Ende wirklich (alleine) regieren wird, wird am Ende an einzelnen Mandaten hängen. Die einzige wirklich realistische Chance, der AfD ein Direktmandat wegzunehmen, besteht im Wahlkreis Halle Mitte-Nord. Jannik Balint tritt dort für die Partei Die Linke an – wie hier schon ausführlich besprochen wurde. Ob Heizkostencheck, Gutscheintausch oder die Einstufung von Halle als angespannter Mietmarkt: Die blaue Welle zu brechen und der AfD ein Mandat abzunehmen, ist nicht nur von unschätzbarem symbolischem Wert, sondern macht einen echten Unterschied für die Lebensrealität vieler Menschen in Halle und kann im besten Fall eine AfD-Regierung verhindern.
Es gibt bis zum Wahltag viele Möglichkeiten, bei denen Du Deinen Teil dazu beitragen kannst, einen roten Leuchtturm in Halle aufzubauen, z.B. indem Du Dich beim Haustürwahlkampf, bei Infoständen oder beim Plakate hängen beteiligst.
Linke Räume verteidigen, solidarische Netzwerke ausbauen
Keine Frage: Linke Räume in Sachsen-Anhalt werden in Zukunft wichtiger denn je und werden gleichzeitig ständiger Bedrohung ausgesetzt sein. Es ist daher umso wichtiger, jetzt Verantwortung zu übernehmen und seinen Anteil dazu beizutragen, dass es in Halle weiterhin Räume abseits der kapitalistischen Verwertungslogik oder des rechten Mainstreams gibt: Ob eine Mitgliedschaft im Förder- und Freundeskreis unseres Lieblingsradios CORAX, ein Direktkredit bei der Reil78 oder des in Gründung befindlichen Stellwerks im Thüringer Bahnhof: Es gibt so viele Vereine, Initiativen und Orte, bei denen Euer Geld besser liegt als bei der Sparkasse.
Zuhören und Diskutieren
Nie war ein Kanzler so unbeliebt wie Friedrich Merz. Er hat einiges dafür getan. Bei den Ärmsten sparen, den Sozialstaat zusammenschießen und immer wieder nach unten treten, während seine Black-Rock- und Maskendeal-Freunde von Krise zu Krise reicher werden, scheint nicht gut anzukommen und bietet gleichzeitig die besten Gesprächsanlässe. Dazu ist es zunächst notwendig, Sorgen und Ängste ernst zu nehmen und Menschen zuzuhören, denen es aus verschiedenen Gründen nicht gut geht: Aus Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, vor dem nächsten Jobcenter-Termin oder der Wohnungssuche.
Die AfD wird das Leben der Menschen nicht verbessern. Es ist allseits bekannt, dass ein Großteil ihrer Wähler*innen bei einer AfD-Regierung finanziell schlechter gestellt wäre. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte jetzt die Gespräche und Diskussionen außerhalb seiner Wohlfühlblase mit potenziellen AfD-Wähler*innen suchen. Das macht ganz sicher nicht immer Spaß und ist auch nicht immer erfolgreich, aber es gibt sie: Die Enttäuschten und Frustrierten, die kein geschlossen rechtsextremes Weltbild haben und mit denen sich Diskussionen lohnen.
Und wo eine Diskussion an ihre Grenzen stößt: Lasst uns gemeinsam laut sein und widersprechen! Auf Demonstrationen, am Tresen, am Arbeitsplatz oder beim VfL Halle, wo seit neustem ein Nazi im Tor steht.
Hiergeblieben
Es ist sehr nachvollziehbar, dass viele Menschen, die ganz unmittelbar von Faschisten und Neonazis bedroht sind, darüber nachdenken wegzuziehen. Und aller Kraftanstrengung zum Trotz werden wir am Wahlabend sehr wahrscheinlich feiernde Faschisten sehen, die sich über ein Rekord-Wahlergebnis um die 40% freuen.
Aber gerade deswegen: Es gibt etwas zu kämpfen! Wer jetzt geht, überlässt diejenigen den Faschisten, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht weg können. Deswegen: Hiergeblieben! Es wird über Jahre notwendig sein, die oben beschriebenen – ganz sicher unvollständigen – Aktivitäten auch nach der Wahl kontinuierlich und langfristig fortzusetzen. Am besten fängst Du gleich heute damit an.

