Solidarisch gegen Corona

Neues Blogprojekt dokumentiert und analysiert Basiskämpfe gegen die Krise

von | veröffentlicht am 07.04 2020

© Solidarisch gegen Corona

Seitdem die Corona-Krise die Bundesrepublik Deutschland eingeholt hat, bilden sich auch hierzulande immer mehr Netzwerke und Basisorganisationen, deren Ziel es ist solidarisches Handeln zu befördern. Wir möchten auf einen überregionalen Blog verweisen, in dem vor allem Menschen aus Leipzig, Berlin und Wien aktiv sind. Der berichtet nicht nur aus internationaler Perspektive von Organisierungen und Arbeitskämpfen, sondern möchte mit vertiefender Analyse in die politische Auseinandersetzung der aktuellen Krise intervenieren.




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Vor etwa drei Wochen haben wir unseren Blog »Solidarisch gegen Corona« anlässlich unseres Plakats »Was tun in Zeiten von Corona?« gestartet. Auf dem Blog möchten wir darüber berichten wie Menschen sich am Arbeitsplatz und auch darüber hinaus gegen die Auswirkungen der Corona-Krise zu Wehr setzen. Wir möchten sichtbar machen, was Menschen an unterschiedlichen Orten tun und wie sie gegen Gefährdungen und Gängelungen in der Krise kämpfen. Unser Ziel ist es, zur größeren Verbreitung dieser Kämpfe beizutragen und eine Diskussion darüber anzuregen, wie wir auf die sich anbahnende Verschärfung der ökonomischen und soziale Krise reagieren können. Außerdem wollen wir Analysen entwickeln und Geschehnisse politisch einordnen, um die gegenwärtige Situation besser zu verstehen. Dazu dokumentieren und übersetzen wir Interviews und Berichte von Arbeitskämpfen in Europa und dem Rest der Welt. Wir verfassen darüber hinaus selbst Texte zu den Auswirkungen der Krise auf bereits prekarisierte Gruppen sowie zur politisch-ökonomischen Dynamik.

Wir sind Menschen, die sich, wie ihr wahrscheinlich auch, Sorgen wegen des Corona-Virus machen. Wir machen uns Sorgen, weil wir andere Menschen, vor allem aus den Risikogruppen, nicht mit dem Virus anstecken wollen oder selbst zu den Risikogruppen gehören. Wir machen uns Sorgen, weil wir die Einschränkungen des öffentlichen Lebens und die soziale Isolation fürchten. Wir machen uns Sorgen, wie wir unsere Familienmitglieder angemessen versorgen können, wenn Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen dicht sind. Wir machen uns Sorgen um unser wirtschaftliches Überleben. Viele von uns haben jetzt schon Lohneinbußen und wir wissen nicht, wie es in den nächsten Monaten weitergeht, wenn die Corona-Pandemie länger andauert und sich die Wirtschaftskrise verschärft.
Aber wir machen uns nicht nur Sorgen, wir sind auch wütend. Wir sind wütend weil die bisherigen Strategien der Regierungen zur Lösung der Gesundheitskrise nicht in erster Linie unseren Bedürfnissen, sondern der Sicherung der Profite dienen. Wir sind wütend, weil viele Beschäftigte weiter zur Arbeit gehen müssen und damit weiterhin einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind, während die Regierungen unsere Grundrechte wie Versammlungs- und Bewegungsfreiheit einschränken. Wir sind wütend darüber, dass die Gesundheitssysteme in den letzten Jahren kaputt gespart und Kapazitäten abgebaut wurden und den Krankenhäusern nun deshalb der Kollaps droht. Wir sind wütend, dass wir statt internationaler Nothilfe für die in Krise geratenen Länder nationalistische Abschottung und Propaganda erleben.

Für die auf uns zukommenden Probleme haben wir von den Regierungen keine Lösungen zu erwarten. Wir sollten uns deshalb als Nachbarn und Kolleginnen zusammenzutun und unterstützen. In England, Italien und Spanien sind ArbeiterInnen in den Streik getreten, um die Durchsetzung von hygienischen Standards in Krankenhäusern und Warenlagern durchzusetzen oder um die Produktion von Autos im Angesicht einer hohen Infektionsrate bis auf weiteres auszusetzen. An vielen Orten bilden sich Solidaritätsnetzwerke, die eine gegenseitige Unterstützung in dieser Ausnahmesituation organisieren.

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In England, Italien und Spanien sind ArbeiterInnen in den Streik getreten, um die Durchsetzung von hygienischen Standards in Krankenhäusern und Warenlagern durchzusetzen.

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Wir denken nicht, dass die aktuelle Lage allein wegen des Corona-Virus außer Kontrolle geraten ist, vielmehr werden in dieser Pandemie die tieferliegenden und schon lange schwelenden Probleme der kapitalistischen Wirtschaftsweise deutlich. Allerdings könnte die Pandemie eine verheerende und lang andauernde soziale, ökonomische und politische Krise auslösen, in der die soziale Reproduktion für alle noch weniger als bisher gesichert ist. Deshalb müssen wir uns zusammentun und nicht nur gegen die unmittelbaren Folgen der Corona-Pandemie, sondern uns auch gegen die drohenden Verschlechterungen unserer Arbeits- und Lebensbedingungen wehren und diskutieren, was an die Stelle dieser katastrophentreibenden Gesellschaftsordnung treten kann.
Deshalb freuen wir uns, wenn Ihr mit uns ins Gespräch kommt, unserem Blog folgt und die Idee verbreitet.

Der Blog Solidarisch gegen Corona ist erreichbar unter

Der Beitrag gibt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wieder.