– Call for Papers – *UPDATE englisch version below

Wie weiter „nach Halle“? Der Anschlag vom 09. Oktober und seine Folgen

von | veröffentlicht am 04.03 2020

© Transit

Am 09. Oktober 2019 ereignete sich der rassistische, antisemitische und antifeministische Anschlag in Halle. Obwohl die Tat und das Datum als Referenzpunkte für Rechten Terror in Deutschland genutzt und in einer Folge mit anderen rechtsextremen Gewalttaten erwähnt werden, ist es nun, vier Monate „nach Halle“, in der Stadt selbst relativ ruhig um das Thema Terror von Rechts geworden.




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+++ ENGLISH VERSION BELOW +++

Doch was ist seitdem passiert?

Jüd*innen, Linke, trans*, queere und Aktivist*innen of Color gehören seit langem zu Zielen rechter Bedrohungen und warnen seit jeher davor. Es entsteht der Eindruck, dass die Sicherheitsbehörden rechtsextremistische Bedrohungslagen wenig realistisch einschätzen. Das zeigen die jüngsten Vorfälle wie z.B. der „NSU 2.0“, die Gruppe „S.“ oder der Anschlag in Hanau. Und auch bei der Betrachtung alltäglicher politischer und gesellschaftlicher Ereignisse liegt die Einschätzung nahe, dass große Teile der politischen und gesellschaftlichen Akteur*innen und auch ein Großteil der Bevölkerung wenig Motivation zeigen, sich aktiv gegen Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Antifeminismus und Transfeindlichkeit zu stellen.

Wie beobachten nun politisch Interessierte und Aktive aus Halle den Umgang mit dem Anschlag und die Versuche, die gesellschaftlichen Bedingungen dieser Tat(en) öffentlich zu diskutieren? Wie erleben und kommentieren sie den rassistischen Normalzustand und deren gesellschaftliche Bedingungen?

Als Debattenmagazin möchten wir einen Raum öffnen, um im Rahmen eines solidarischen, antifaschistischen, antirassistischen und antisexistischen Konsens unterschiedlichen Gruppen und Personen die Möglichkeit zu geben, ihre Sicht auf die Situation wenige Monate „nach Halle“ aus der Stadt und auf die Stadt und die Region darzustellen. Wir wollen nicht, dass es nach Halle weiter ruhig bleibt. Wir wollen nicht, dass es nach Hanau wieder ruhig wird.

Fragen dazu könnten sein:

  • Was hat sich in der gesellschaftlich-politischen Aufarbeitung in der Stadt getan und was muss getan werden?
  • Wie können Betroffene und Bedrohte besser unterstützt werden?
  • Inwiefern wurden die Hintergründe der Tat(en) aufgeklärt und die Ergebnisse offengelegt?
  • (Wie) Hat sich der Kampf gegen Rechts durch den 09.10. verändert?
  • Welche Aktionsformate sind notwendig/denkbar/abgenutzt?
  • Welche Leerstellen gibt es in der Unterstützung des zivilgesellschaftlichen Engagements?
  • Wie gehen Betroffene oder potentiell Bedrohte mit dem Anschlag um und wie nehmen sie die Situation in der Stadt wahr? Wie kann mit dem Schweigen der Mehrheitsgesellschaft umgegangen werden?
  • Welche pädagogischen und psychologischen Folgen ergeben sich bspw. aus dem massenhaften Teilen des Tatvideos und wie kann man diesen begegnen?
  • Wie sollen antifaschistische Menschen und Gruppen auf einen rechtsterroristischen Tätertyp reagieren, der sich in seinen eigenen vier Wänden/ im Internet radikalisiert?

Wir wissen, dass die Fragen eventuell Ratlosigkeit hervorrufen. Aber sie müssen diskutiert werden. Nicht abschließend, nicht alle auf einmal und auch nicht mit dem Anspruch, fertige Lösungen zu präsentieren. Aber die Debatte soll einen Beitrag dazu leisten, die Stille und die Ohnmacht zu überwinden. Und dazu ist jeder Beitrag willkommen, egal welche Form er hat und welchen Fragen er sich widmet.

Die Beiträge können in Form von Artikeln, Interviews, Essays o.ä. eingereicht werden. Die Beitragssprache ist Deutsch und/oder Englisch. Die Redaktion lädt zu alternativen Darstellungsformen, wie Fotos, Comics etc. ein. Wir ermutigen besonders nicht-akademische, nicht-weiße und /oder migrantische Stimmen sich mit einem Beitrag einzubringen. Beiträge in Leichter Sprache sind ebenso erwünscht. Insbesondere laden wir solidarisch engagierte und politisch aktive Gruppen aus der Stadt und dem Umland ein, sich an der Debatte zu beteiligen.

Wir streben eine Veröffentlichung der Artikel zu Mitte April 2020 an, weshalb wir um Einsendungen bis 03. April 2020 bitten. Wenn Ihr einen Text schreiben wollt, diesen Termin aber nicht einhalten könnt, kontaktiert uns gerne unter: redaktion@transit-magazin.de

Alle zusammen gegen den Faschismus!

In Gedenken an die Opfer der rechtsterroristischen Anschläge.

Eure Transit-Redaktion

 

ENGLISH VERSION

How to continue „after Halle“? The attack of October 9th and its consequences.

On 9th October 2019, a racist, anti-semitic and anti-feminist attack took place in Halle. Although the act and the date have become symbols for right-wing terror in Germany and are linked to other acts of violence, now, four months „after Halle“, it has become relatively quiet about the topic of far right terror.

 

But what happened since then?

Jews, leftists, trans, queer and activists of Color have long been targeted by the far right and always admonished of the danger. The impression arises that the authorities do not assess far right threats realistically. This is shown by recent incidents such as the „NSU 2.0“, the „S.“ group or the terrorist attack in Hanau. With regard to everyday political and social events, it is obvious that many political and social protagonists as well as large parts of the public show little motivation to actively oppose racism, right-wing extremism, anti-semitism, antifeminism and transphobia.

How do politically interested people and activists from Halle observe the handling of the 9th october terrorist attack and the attempts to publicly discuss its social conditions? How do they experience and comment on the racist normality?

As a magazine for debate, we would like to provide a space in which different groups and individuals can present their views on the situation a few months „after Halle“. We want to initiate a discussion with voices from the city and on the city and the region within the framework of a solidary, anti-fascist, anti-racist and anti-sexist consensus. We do not want it to remain quiet „after Halle“. We do not want it to be quiet either „after Hanau“.

Questions could be:

What are the effects of the socio-political handling of the events in the city and what needs to be done?

How can victims of violence and threats be supported better?

To what extent has the background to the crime(s) been clarified and the results disclosed?

(How) Has the fight against the far right changed as a result of the 9th october?

Which sorts of action are necessary/thinkable/worn out?

Is there something missing with regard to the support of the civil society?

How do victims or potentially threatened people deal with the attack and how do they perceive the situation in the city? How can the silence of the majority be dealt with?

What educational and psychological consequences result from the mass sharing of the crime video and how can they be countered?

How should antifascists react to a far right terrorist perpetrator who is radicalized in the privacy of ones home by the internet?

We know that the questions may cause helplessness. But they must be discussed. Not conclusively, not all at once and also not with the claim to present ready-made solutions. But the debate should contribute to overcome the silence and powerlessness. And every contribution to this is welcome, no matter what form it takes or what questions it addresses.

Contributions can be submitted in the form of articles, interviews, essays or similar. The contribution language is German and/or English. The editorial staff invites to alternative forms of presentation, such as photos, comics, etc. We particularly encourage non-academic, non-white and/or migrant voices to contribute. Contributions in plain language are also welcome. In particular, we invite solidarity-based and politically active groups from the city and the surrounding area to participate in the debate.

We aim to publish the articles by mid-April 2020, so we ask for submissions by 03 April 2020. If you would like to write an article, but cannot meet this deadline, please contact us at: redaktion@transit-magazin.de

All together against fascism!

In memory of the victims of the right-wing terrorist attacks.

Your Transit editorial staff.