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Initiative 12. August

Gedenken an Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret

von | veröffentlicht am 08.06 2019

© Initiative 12. August

Der Todestag der beiden kubanischen Vertragsarbeiter Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret jährt sich am 12. August 2019 zum 40. Mal. Die genauen Todesumstände sind bis heute nicht geklärt. Die neu gegründete "Initiative 12. August" erinnert an die beiden Getöteten.


In den vergangenen Jahren haben wiederholt Berichte des MDR („Vertuscht und Verdrängt – Warum starben Vertragsarbeiter in der DDR?“, „Schatten auf der Völkerfreundschaft – Rassistische Verbrechen in der DDR“, „Schuld ohne Sühne – Warum rassistische Täter in der DDR davon kamen“) auf die rassistische Verfolgung von Vertragsarbeiter*innen in der DDR hingewiesen. Die Ermordung der beiden kubanischen Vertragsarbeiter Delfin Guerra und Raúl Garcia Paret am 12. August 1979 in Merseburg stand dabei immer wieder im Fokus der Berichterstattung.

Nun hat sich in Merseburg eine „Initiative 12. August“ gegründet, die dieses Jahr nicht nur eine Gedenkveranstaltung zum 40. Todestag organisieren wird, sondern sich auch mit einem offenen Brief an den Oberbürgermeister Merseburgs wendet. In diesem Brief fordern die Verfasser*innen den Oberbürgermeister auf ihnen zu gestatten am Tatort, der Neumarktbrücke, einen Gedenkort für die beiden Vertragsarbeiter D. Guerra und R. G. Paret zu errichten. Sie wollen diesen Ort gemeinsam mit „einem Kuratorium aus ehemaligen Vertragsarbeiter*innen, Zeitzeug*innen, Historiker*innen, Künstler*innen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen Merseburgs konzipieren und verwirklichen.“ Für die Konzeption des Gedenkortes möchte die Initiative außerdem Kontakt zu den Familien der Ermordeten in Kuba aufnehmen.

Die Staatsanwaltschaft Halle hatte im Zuge der Berichterstattung Ermittlungen begonnen, doch stellte sie aufgrund eines mangelnden Anfangsverdachts wegen Mordes wieder ein. Die „Initiative 12. August“ kritisiert, dass sich die Staatsanwaltschaft Halle dabei einzig auf die Ermittlungsakten der ehemaligen Volkspolizei und Staatssicherheit beruft. Diese hätten jedoch ein nachgewiesenes und ideologisches Interesse daran gehabt, derartige rassistische Vorfälle zu bagatellisieren und zu verschweigen (u.a. um die Beziehung zu den „Bruderstaaten“ nicht zu gefährden).

Deshalb erhoffen sich die Initiator*innen, „dass der Gedenkort die Erinnerung an das Geschehene wach halten und eine öffentliche Thematisierung zur Folge haben wird, um somit eine Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens anzustoßen und alle offenen Fragen des Tathergangs zu klären“, denn noch seien Zeug*innen und die Täter*innen am Leben. Darüber hinaus erhofft sich die Initiative mit dem Brief Kontakt zu ehemaligen Vertragsarbeiter*innen herzustellen und ihre Perspektiven auf die Geschehnisse zu hören.

Am 11. Juni wird die Initiative einen Redebeitrag bei der Gedenkveranstaltung an Alberto Adriano in Dessau halten, um die Kontinuitäten rassistischer Gewalt in der Geschichte der DDR und der neuen Bundesländer zu thematisieren. Alberto Adriano war mosambikanischer Vertragsarbeiter, der 2000 von Neonazis in Dessau ermordet wurde.

Der Offene Brief kann durch eine Email an initiative12august@gmail.com unterzeichnet werden. Die Liste der Unterzeichner*innen wird fortlaufend aktualisiert und findet sich ab dem 11. Juni auf der Homepage der Initiative: www.initiative12august.de.

Initiative 12. August

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