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Gute Beteiligung zum Frauen*kampftag

Eine persönliche Einschätzung zur Demonstration in Halle

von | veröffentlicht am 11.03 2019

© Transit

Am 8. März fanden im ganzen Land Kundgebungen anlässlich des Frauen*kampftages statt. Auch in Halle wurde – bis spät in den Abend – demonstriert.


Der 08. März 2019 hätte ein guter Tag werden können. Nicht zuletzt durch die Debatte um den § 219a hatte der Feminismus wieder einmal an Fahrt aufgenommen, was auch auf eine breite Beteiligung an der bevorstehenden Frauen*kampftagsdemo in Halle hoffen ließ. Auch wenn es gegen 18 Uhr noch recht leer auf dem Marktplatz aussah, sollten am Ende gut 800 Personen zusammenkommen, die gemeinsame Anliegen wie das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung, die Anerkennung feminisierter Arbeit und ein Leben ohne Gewalt auf die Straße tragen würden.

Viele Teilnehmer*innen hatten Banner und Plakate mitgebracht und zogen gemeinsam gegen 18:30 Uhr über die Leipziger Straße, Richtung Landgericht, entlang der Straße der Opfer des Faschismus, hoch zur Magdeburger Straße und dann weiter zum Steintor. Insgesamt war die Demo, zumindest in den hinteren Reihen, recht kraftlos, was durch die zeitweilige Abwesenheit des Lautsprecherwagens noch einmal besonders deutlich wurde. Anwohner*innen beziehungsweise Personen, die nicht zur Demo gehörten, suchte man entlang weiter Teile des ersten Streckenabschnitts vergeblich.

Auf Höhe der Magdeburger Straße wurde dann der Redebeitrag der Gruppe „La condition féminine“ verlesen, in dem die Organisator*innen der Demo hinsichtlich ihrer fehlenden Positionierung zu Islamismus und Antisemitismus sowie der mangelnden Solidarisierung mit der Iranischen Frauenbewegung kritisiert wurden (diesen und andere Redebeiträge gibt es in voller Länge hier). Dass der Demo-Aufruf nur recht vage „diskriminierendes und menschenverachtendes Gedankengut“ sowie „fundamentalistische Gruppen“ verurteilt, birgt sicher Verbesserungspotential, rechtfertigt aber nicht, den Bündnispartner*innen in aller Öffentlichkeit zu unterstellen, dass sie sich kritisches Denken verbieten würden und die universelle Vernunft erst wieder für sich entdecken müssten. Keine Gefühle verletzten zu wollen ist insofern tatsächlich noch kein politischer Anspruch, dies bewusst zu tun aber eben auch nicht. Wie feministische Bündnisarbeit in Zukunft in Halle gelingen kann wird sich zeigen. Einfacher wird sie unter diesen Vorzeichen aber sicher nicht werden.

Nach einer kurzen und sehr aufgeregten Erwiderung der Demo-Orgagruppe setzte sich der Zug dann wieder bis zum Steintor in Bewegung. Hier wurde abschließend ein letzter Redebeitrag verlesen, bevor die FLINT*-Gruppe allein weiterziehen sollte, um sich die Nacht zurückzuerobern.

Für hallesche Verhältnisse darf es durchaus als Erfolg gewertet werden, dass eine relativ große feministische Demo auf die Beine gestellt werden konnte. Von denen gibt es nämlich noch nicht allzu viele. Der Anfang. dies zu verändern, ist, wenn auch recht holprig, in jedem Fall gemacht.

Der Beitrag gibt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wieder.

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