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Im Augenschein des Terrors

Vortrag und Ausstellung zum NSU-Komplex in Halle

von | veröffentlicht am 08.12 2017

© NSU-Komplex Auflösen Halle

Kommende Woche findet in Halle eine Ausstellung zum NSU-Komplex statt. Eröffnet wird sie mit einem einführenden Vortrag. Warum die Forderung nach Aufklärung trotz des baldigen Prozessendes lauter werden muss und die anstehende Urteilsverkündigung keinen Schlussstrich bedeuten darf.


Nach vier Jahren neigt sich der NSU-Prozess am Münchner Landgericht dem Ende zu. Und auch wenn die Bundesanwaltschaft den für das Frühjahr erwarteten Urteilsspruch schon jetzt als Sieg des Rechtsstaates über rechte Strukturen inszeniert, bleiben mehr Fragen als Antworten.

Der NSU war kein isoliertes Trio

Die Bundesanwaltschaft hielt in ihrem im September verlesenen Plädoyer weiter an der Annahme fest, der NSU sei ein isoliertes Trio gewesen, obwohl dies unter anderem durch die Arbeit der Nebenklage längst widerlegt ist. Ohne ein breites Unterstützer*innennetzwerk wären Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe weder ihr Untertauchen, noch ihre Mordserie möglich gewesen.

Nicht aufgearbeitet und im Prozess kaum thematisiert ist weiter die Rolle, die die Verfassungsschutzbehörden im NSU-Komplex gespielt haben. Anstatt die rassistische Mordserie zu stoppen, unterstützte der Inlandsgeheimdienst die Netzwerke des NSU indirekt durch ein kontraproduktives V-Personen-System und behindert die Aufarbeitung massiv durch die Vernichtung und Nichtfreigabe von Akten – nicht zuletzt, um die eigene unsägliche Rolle zu vertuschen.

Opferperspektive stärken – strukturellem Rassismus entgegentreten

Einen wichtigen Schritt zu einer breiten öffentlichen Auseinandersetzung machte im Mai das NSU-Tribunal in Köln. Über fünf Tage war das Tribunal ein Ort der gesellschaftlichen Anklage von Rassismus. Es versuchte, die einzelnen Erzählstränge über den NSU-Komplex zusammenzuführen und nahm dabei konsequent die Perspektive der von Rassismus betroffenen Menschen ein.

Zu wenig waren im gesamten Ermittlungsverlauf die Betroffenen und Angehörigen der Anschläge gehört worden, die schon früh auf mögliche rassistische Motive der Taten hinwiesen und in den Ermittlungen aufgrund rassistischer Stereotypen stattdessen selbst zu Hauptverdächtigen geworden waren.

Die Ausstellung (Link zur Facebook-Veranstaltung) ist inspiriert und motiviert vom Kölner Tribunal und soll ein Anstoß zur intensiveren Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex in Halle sein. Sie stellt die Opfer und ihre Geschichten in den Mittelpunkt und will eine öffentliche Erinnerungskultur stärken. Die Forderung nach Aufklärung muss laut bleiben und an vielen Orten erfolgen. Auch in Halle.

NSU-Komplex auflösen

Die Ausstellung wird organisiert durch die Gruppe „NSU-Komplex auflösen Halle“. Dabei handelt es sich nach eigenen Angaben um eine Gruppe von Menschen in Halle, welche aus dem „Tribunal NSU-Komplex auflösen“ hervorgegangen ist. Sie verfolgt das Ziel, die Arbeit des Tribunals auch in Halle fortzuführen und die Aufklärung über den NSU-Komplex zu stärken, die Perspektive der Opfer von rechtem Terror in den Mittelpunkt zu rücken und für eine öffentliche Erinnerungskultur einzutreten.

Die Ausstellung wird eröffnet am 11. Dezember um 19 Uhr im Hörsaal V auf dem Steintor-Campus mit dem Vortrag „Einführung in den NSU-Komplex. Sie ist bis zum 16. Dezember täglich von 12-17 Uhr im Studentischen Aufenthaltsraum auf dem Steintor-Campus zu besichtigen.

Der Beitrag gibt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wieder.

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